Ist alles in Ordnung, werde ich ab und zu gefragt. Warum sollte es das nicht sein? Wer bestimmt denn die Ordnung, und
was ist der Rahmen von Alles? Mit einem solchen rostigen Idiom mag man gerne auf meine Befindlichkeit einbohren. Viele
Menschen reagieren im Muster des geringsten Widerstandes und entgegnen ein simples ja, oder nein, um auf den
intendierten Kern der Frage zu wechseln. Ohne weitere Reflexion kann ein jeglicher potentieller Diskurs in ein
duemmlichen Dialog zerfallen. Im TV werden derartige Dialogrunden kultiviert, die aber kaum etwas mit dem Mensch-sein
zu tun haben. Phraseologie-forscher sehen eine unerschoepfliche Fundgrube, aber kann und darf das kreiseln von
routinierten Sprachketten als Souffleur fuer den tatsaechlichen (mentalen) Zustand eintreten? Der Verdacht liegt nahe,
daß das Gehirn trickreich Denkprozesse vermeidet, oder mit schon durchdachten Denkpaketen die (weniger reizvollen?)
sozialen Interaktionen bestreitet. Was ich fuer Datenmuell und Gedankenverstopfung erachte, haelt Großmuetterchen aber
fuer angesammeltes Kulturgut, daß nach ihrer Maßgabe einen Grad von Zivilisation anzeigt. Sobald ein Bub die
Sprichwoerter kennt, gilt er schon als gescheit, oder gewandt. So wird schon ueber Generationen hinweg eine
schreckliche, weil duemmliche Evolutionsschlaufe gestrickt, sobald man damit erfolgreich das andere Geschlecht
be
circen kann. Je reicher das Angebot, desto umfangreicher jedoch aber aussagenloser die Gespraeche.
Sprechakt heißt in dem Fall also eher kommunizieren durch Kulturabgleich bei gleichzeitiger Beschwichtigung der
kognitiven Kraft durch Daten-muell. Ohnehin verlangt wohl diese Ebene des
flirtens (ist das eine Unterart des
smalltalks?) eher eine koerperliche Annaeherung.
Wenn nun ein solcher Unhold_Inn mir eine solche Perle an Fragestellung ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit schubst,
moechte ich sie natuerlich dementsprechend anspielen, daß ich dieses morbide Sprachspiel gewinne. Zuerst betrachten wir
die Stoßrichtung als Motiv/Zweck, den Impuls als Intention/Ausrichtung und die Rotation der Murmel als Aktualitaet bzw.
persoenlichen Bezug, oder Reibungspunkt. Des weiteren ist die Beschaffenheit zu untersuchen. Welche Materie, also
Bedeutung vorliegt, die Masse, bzw Gewichtigkeit und vor allem die Faerbung der Perle gibt Auskunft zur gewollten
Wirkung. Nun, es scheint kompliziert, aber ein Meister des Perlenspiels erkennt unzaehlig weitere Facetten. Wichtig
ist, sich aber auf wenigstens 3 Hauptmerkmale zu fokussieren, um entweder einen direkt entgegengesetzten Stoß
anzubringen, wie eine Gegenfrage (siehe Einleitung), oder einfach zu streuen - allerdings muß man treffen. Ein
Aufbauspiel ist umso einfacher, je linearer und ungeschickter dein Gegner ist. Ein bornierter Mensch setzt meist mit
dem gleichen Winkel an, kann aber die Kugel logisch vorwaerts schieben, ein intuitiver Spieler dagegen ergibt sich
meist affektionalen Denkpausen und streut seine eigene Kugeln selbst und umso chaotischer sein Zug. Die extremen
Spielertypen koennen auch leicht andersfarbige Perlen spielen usw. - nichts aber ist heimtueckischer, als nicht
(
mehr) aufzupassen, wohin die Murmeln rollen. In diesem Fall gewinnt Dionysos. Bei mir steigt er ab dem 3.
Bier im Gedanken-roulette ein.